Ich freue mich, dass ich zum Neujahrsempfang 2017 mit dem

Silbernen Bären der Stadt Esens

ausgezeichnet worden bin, der höchsten Auszeichnung, die der Stadtrat zu vergeben hat. Dies ist für mich Ansporn, mich weiterhin für die Bevölkerung unserer Bärenstadt einzusetzen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Laudatio von Bürgermeisterin Karin Emken
zur Verleihung des „Silbernen Bären“ 2017 der Stadt Esens

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir kommen nun zum Höhepunkt der heutigen Veranstaltung. Alljährlich - seit 1985 - wird zum Neujahrsempfang der „Silberne Bär“ verliehen, heute nun zum 33. Mal. Bedacht werden Bürgerinnen und Bürger, die sich durch Ihren persönlichen Einsatz zum Wohle und Nutzen der Menschen in unserer Stadt in hervorragender Weise auszeichnen.

Eine Regel dabei ist, dass Mitglieder des Rates und der Verwaltung nicht geehrt werden und eine weitere, dass der Verwaltungsausschuss der Stadt Esens über die Vergabe entscheidet.

Dabei ist das ehrenamtliche Engagement ausschlaggebend, auf kultureller, sportlicher oder sozialer Ebene.

Nachdem im letzten Jahr der Silberne Bär an das Ehepaar Frau Marina Klasing-Verhoog und Herrn Christiaan Verhoog verliehen wurde ehren wir heute eine Person. Diese Person wurde 1961 in Esens geboren, verlebte seine Kindheit und Jugendzeit inmitten seiner Familie als einer von 5 Söhnen und absolvierte natürlich auch seine Schullaufbahn bei uns in Esens. Auch während seiner Ausbildung zum Fernmeldehandwerker und dem anschließendem Studium zum Dipl.-Ing. der Elektrotechnik in WHV, blieb er seiner Heimatstadt treu. Er pendelte fleißig und engagierte sich hier vor Ort für das Gemeinwohl. Denn schon früh mit 14 Jahren hat er begonnen sich einzusetzen und bis heute nie damit aufgehört.

Drei Säulen kennzeichnen sein jahrzehntelanges, beständiges ehrenamtliches Wirken:

Sein kirchliches Engagement, die Liebe zur Musik und seine große Heimatverbundenheit, die ihren Ausdruck besonders in seiner einmaligen, unermüdlichen und unglaublich zeitaufwändigen geschichtlich-chronistischen Arbeit gefunden hat, so dass er mit Recht als bedeutender Chronist unserer Stadt bezeichnet werden kann. Wir ehren heute, viele werden es schon erraten haben, Herrn Detlef Kiesé.

Herr Kiese begann seine ehrenamtliche „Laufbahn“ als Jugendleiter in der Ev. Jugend unserer St. Magnus Gemeinde. Dabei war er auch Initiator des St. Magnus Festes und organisierte Zeltlager, Konfi-Tanzveranstaltungen, bunte Abende und vieles mehr. 1982 war er Initiator des Turm-Museums von St. Magnus, das in diesem Jahr sein 35. Jubiläum mit einer Sonderausstellung über die Kloster der SG begeht und für deren Inhalt sich Herr Kiese auch weiterhin verantwortlich zeichnet. Hier verband er sein historisches Interesse mit seinem ehrenamtlichen Engagement zum ersten großen Projekt.

Parallel dazu spielte die Musik eine große Rolle in seinem Leben. In der hochmusikalischen Familie Kiese gründete Holger, der Älteste mit seinen Brüdern die Band HKE. Herr Detlef Kiese war dabei Schlagzeuger und legte damit den Grundstein für sein öffentliches musikalisches Wirken, das bis heute andauert. So war bzw. ist er Mitglied im Posaunenchor, in versch. Band wie „Black Arrow“, „Shalom“ und „Dilämma“, dem Männergesangsverein, der Kantorei und der erfolgreichen und bekannten A-Cappela-Pop-Group „Creme Frech“.

22 Jahre lang hat „Creme Frech“ unzählige Besucher mit ausgezeichneten Abendprogrammen, Zusammenstellungen von Musikbeiträgen mit humoristischen Einlagen, bestens unterhalten und für unzählige Lacher gesorgt. Zu den Abschlusskonzerten 2015 kamen hier in die Theodor-Thomas-Halle insgesamt mehr als 1000 Besucher. Schade, dass es die letzten Auftritte dieser außergewöhnlichen und außergewöhnlich gelungenen Formation waren. Danke, dass Ihr uns über Jahrzehnte so viel Freude geschenkt habt.

Nebenbei war Herr Kiese dann auch Mitbegründer der Musikinitiative Esens (MUSINES) zus. mit Herrn Klaus-Peter Kubsch, die im vergangenen Jahr ihr 30jähriges Jubiläum bei „Esens trifft sich“ feiern konnten. Sein historisches Interesse wurde in seiner Schulzeit geweckt, durch seinen Geschichtslehrer ... Werner Schmidt. So hat Herr Kiese schon 1980 mit 19 Jahren erste Aufsätze zur Esenser Stadtgeschichte verfasst. 1985 wurde er Mitglied im Heimatverein für Stadt und Amt Esens und unterstützte Herrn Axel Heinze beim Aufbau des Museums „Leben am Meer“. 1989 war er einer der Gründungsmitglieder des „Ökumenischen Arbeitskreises Juden und Christen in Esens“, ist seitdem ununterbrochen im Vorstand und heute stellv. Vorsitzender. Er hat maßgeblich zum Erhalt und beim Aufbau des Museums „August-Gottschalk-Haus“ mitgewirkt.

Herr Kiese ist ein unaufhörlicher Sammler von historischen Daten. Recherche, Interviews, Auswertung und Archivierung gehören dazu. Unzählige Stunden investiert er in dieses Hobby. Sein Ziel ist dabei, geschichtliche Zusammenhänge zu rekonstruieren und für die Nachwelt - für uns - zu konservieren. Dabei kommt ihm sein schriftstellerisches Talent zugute, kennen wir ihn doch als Redakteur des „Anzeiger für Harlingerland“, bei dem er seit 1994 beschäftigt ist. Seine chronistischen Arbeiten, die „Haus Geschichten“ werden dort gerne veröffentlicht.

Diese „Haus Geschichten“ erzählen über die Häuser unserer Stadt und den darin früher und jetzt lebenden Personen. Sie beschreiben das Leben und die Veränderungen über die Zeit hinweg. Dadurch gelingt in auffallend anschaulicher Weise, die Historie unsere Stadt anhand dieser persönlichen Geschichten lebendig werden zu lassen und uns nahe zu bringen.

Erwähnen möchte ich selbstverständlich auch die umfangreiche Autorentätigkeit von Herrn Kiese, dessen größtes Werk bisher das Buch „Von Bensersyhl zum Nordseeheilbad“ darstellt und sich der Entwicklung Bensersiels widmet. Um eine solche Arbeit erstellen zu können bedarf es Beharrlichkeit und Leidenschaft.

Mit derselben hat Herr Kiese zusammen mit Herrn Axel Heinze, Herrn Gerd Rokahr und den StadtführerInnen im vergangenen Jahr 2016 innerhalb eines Jahres „Esens historisch - ein begehbares Geschichtsbuch“ geschaffen. 80 Infotafeln wurden im Stadtgebiet aufgestellt. Sie erzählen und erläutern in kurzen prägnanten Texten und einer grafisch überzeugenden Darstellung die Besonderheit von Gebäuden, Plätzen und Anlagen. In vorbildlicher Weise wird hierbei die Geschichte unserer mittelalterlichen Stadt unseren Bürgerinnen und Bürgern und unseren Gästen quasi im Vorbeigehen vermittelt. Zur besseren Orientierung wurde ein Flyer erstellt, der alle Standorte der Infotafeln aufzeigt und mehrere Routen zur Erkundung anbietet.

Entstanden ist ein einmaliges Bildungsprojekt, das unsere Augen für den historischen Reichtum unserer schönen Stadt öffnet und mit jedem Schritt unseren Blick sowohl für das Vergangene als auch für das Gegenwärtige schärft ... und für die Wichtigkeit der Erhaltung dieser Gebäude, Plätze und Anlagen.

Besser kann Geschichtsbewusstsein und Identifikation mit unserer Heimatstadt kaum gefördert werden.

Lieber Detlef, mit deinem herausragenden Wirken zum Wohle und zur Freude unserer Gemeinschaft, hast du uns und unsere/deine Heimatstadt Esens beschenkt und um ein vielfaches bereichert. Wir danken dir sehr dafür. Es ist mir eine große Freude und Ehre Dir heute den Silbernen Bären überreichen zu dürfen.

Karin Emken, Bürgermeisterin der Stadt Esens

 

 

 

Meine Ansprache nach der Verleihung des Silbernern Bären 2017,

Neujahrsempfang der Stadt Esens, 15. Januar 2017

Ich fühle mich geehrt, dass ich diese höchste städtische Auszeichnung – noch in relativ jungem Alter – erhalten habe. Anders als viele meiner Vorgänger stehe ich noch voll im Berufsleben und bin also nach Feierabend ehrenamtlich für das Gemeinwohl tätig. Ich bedanke mich bei den Entscheidungsträgern seitens Rat und Verwaltung der Stadt Esens.

Meine Mutter Luise Kiesé hat vor 13 Jahren an dieser Stelle ebenfalls den Silbernen Bären bekommen, allerdings für ganz anderes ehrenamtliches Engagement. Mein vor gut 26 Jahren verstorbener Vater Dieter-Jochen Kiesé wäre stolz auf seine Familie gewesen.

Mein liebstes Hobby ist zurzeit die Esenser Stadtgeschichte.

Nur wer die Geschichte kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten. Nach dieser Weisheit von Wilhelm von Humbold bin ich dabei, Esens-relevante Zeitdokumente und vor allem Fakten zusammenzutragen, um sie für die Nachwelt zu bewahren und sie auch den künftigen Generationen zugänglich zu machen.

Ich finde es wichtig, geschichtliche Zusammenhänge, die irgendwann vielleicht nicht mehr rekonstruierbar sind, zu konservieren. Daher auch die Bitte an die Bürger, alte Bilder und weitere gegenständliche Zeitzeugen nicht wegzuwerfen, sondern beispielsweise dem Museum Leben am Meer zu überlassen. „Alt“ fängt schon bei „gestern“ an.

Danke sagen möchte ich in diesem Zusammenhang den vielen Begleitern und Mitstreitern bei meinen Hobbys, dem Netzwerk Esenser Geschichtsinteressierter und Mitarbeitern in den Museen. Aber vor allem meiner Ehefrau Dagmar Heldt-Schneider, die mir den Freiraum für meine Hobbys lässt. Immerhin stehe ich ja – anders als frühere Preisträger – noch voll im Berufsleben.

Stadtarchiv für Esens

In diesem Zusammenhang wünsche ich mir den Aufbau eines Stadtarchives als kommunales Gedächtnis. Also eine Stelle, an der Fotos, Dokumente, Bücher, Filme und Fakten möglichst weitreichend zusammengetragen werden, die dann auch der Nutzung durch die Bevölkerung zur Verfügung stehen. Basis könnte die Sammlung von Albrecht Gerdes sein, mit dem ich Anfang der 1980er Jahre zusammengearbeitet habe. Und auch mein umfangreiches Privatarchiv würde ich dem Stadtarchiv vermachen.

Ich finde die Situation in der Stadt Wittmund nicht schlecht, in der die Büchereileiterin zugleich das dortige Stadtarchiv betreut. Und in Esens wird dieses Jahr eine neue Leitung für die Samtgemeindebücherei gesucht, die in Personalunion vielleicht ebenfalls ein Stadtarchiv mitbetreuen könnte.

Zum Erhalt alter Bausubstanz und für passende Neubauten sensibilisieren

Ich bin davon überzeugt, dass Esens mit seinem mittelalterlichen Stadtkern baulich durchaus etwas zu bieten hat. Anspruch der Bewohner sollte daher sein, dass sie mit wesentlichen Zügen der Lokalgeschichte vertraut sind.

Von daher sollten auch die Einheimischen einmal unsere Museen besuchen und die Schilder mit den prägnanten Inhalten unter der Überschrift „Esens historisch“ studieren.

Mein Anliegen dieser Aktion war hier unter anderem, das Geschichtsbewusstsein der Menschen in unserer Stadt zu schärfen, aber auch für den Erhalt alter Bausubstanz zu werben. Vielleicht kann diese Initiative auch dazu beitragen, Träger von Bauprojekten in der Esenser Innenstadt, aber auch die Genehmigungsbehörden (beim Landkreis) für den Erhalt alter Gebäude zu sensibilisieren. Schön wäre es zudem, wenn sich Neubauten in der Altstadt besser dem althergebrachten Straßenbild anpassen würden und nicht unpassende moderne Architektur durchgewunken wird. Denn mit dem ansprechenden historischen Stadtkern können wir auch bei den Touristen punkten, wovon wir schließlich alle profitieren.

Ich danke Ihnen, dass Sie mir zugehört haben.

 

 

Mein Projekt:

Esens historisch –

Ein begehbares Geschichtsbuch (2016)

Die Stadt Esens mit ihrem bis heute mittelalterlich geprägten Altstadtkern besitzt eine Reihe von erhaltenen Baudenkmälern und anderen historisch relevanten Plätzen. Um diese Orte den Urlaubern in der Region, aber auch den Einheimischen näher ins Bewusstsein zu rücken, hat sich eine Initiative gebildet, die eine Reihe von Hinweisschilder aufstellen ließ unter der Überschrift „Esens historisch“. Auch Kinder können nun etwas Wissenswertes über ihren Heimatort erfahren.

Unter Federführung von Esens-Chronist Detlef Kiesé und unter Mitwirkung der Esenser Stadtführer um ihren Sprecher Friedrich Appelt und weiterer Geschichtsinteressierten wie Axel Heinze und Gerd Rokahr wurden innerhalb eines Jahres 80 Informationstafeln konzipiert, die in kurzen prägnanten Texten und ansprechender Bebilderung aus der Historie von Gebäuden, Plätzen und Anlagen berichten. Dies können neben Fotos auch zeitgenössische Postkarten, alte Zeitungsanzeigen, Kartenausschnitte, Zeichnungen, Reproduktionen von Drucksachen und Abbildungen von Exponaten sein.

Die ältesten Steinhäuser in Esens, das Anfang des 16. Jahrhunderts die Stadtrechte erhielt, sind ebenso einbezogen (Kaufmannshaus Edzards, Haus Mettcker) wie Handwerkerhäuser am Marktplatz und in der Butterstraße. An mehreren Stellen werden die heute noch erkennbare einstige Stadtbefestigung mit Wällen und Gräben sowie die Positionen der Stadttore und die Bedeutung des einstigen Wasserschlosses zu Esens verdeutlicht. Passanten erfahren etwas über die vor 100 Jahren existierende private Dampfmolkerei „Germania“, das „Wessels Hotel“ als vornehmster Quartiergeber der Stadt, die 1585 in das „Puppenhaus“ eingesetzten Karyatiden und das Münzdenkmal, das an die Münzprägestätte im Mittelalter erinnert.

An anderen Stelle gehen die Tafel „Esens historisch“ auf berühmte Söhne der Stadt ein wie den Freiheitskämpfer Carl Gittermann, den amerikanischen Dirigenten Theodor Thomas, Ehrenbürger Hajo Hinrichs aus New York und den Pastor und Astronom Johann Gerhard Behrens. Betrachter erfahren etwas zum „Tick-Tack“-Haus, dem Amerikanerhaus, dem alten Muschelkalkbrennofen und das Königliche Amtsgericht von 1827.

Für die Finanzierung kamen die Gebäudeeigentümer vielfach selbst auf. Darüber hinaus beteiligte sich die Stadt Esens an der einzigartigen Aktion, Großspender wie die Volksbank Esens, die Sparkasse LeerWittmund und die Aktionsgemeinschaft Esens und Umgebung (AEU) übernahmen einen größeren Teil der Tafeln. Die Schilder sind 40 x 60 cm groß, wetterbeständig und lichtecht und in einer bewusst grafisch einheitlichen Linie gehalten. Die Projektgruppe arbeitete rein ehrenamtlich.

Die Aktion „Esens historisch – das begehbare Geschichtsbuch“ wurde am Sonnabend, 10. September 2016, um 11 Uhr im Ratssaal offiziell eingeweiht. Die Öffentlichkeit hatte am darauffolgenden (Wahl-)Sonntag die Gelegenheit, die 80 Stationen auch mit Hilfe eines herausgegebenen Flyers (Finanzierung AEU, Stadt Esens) abzulaufen. Um 11 Uhr boten die Stadtführer an diesem Tag des offenen Denkmals ab Rathaus Esens, dem Palais von Heespen, außerdem besondere Stadtführungen entlang ausgewählter Tafel-Punkte an.

Die Projektgruppe leitet Detlef Kiesé, der Autor zahlreicher Veröffentlichungen zur Historie der Stadt Esens ist, als ehrenamtlicher Leiter des Turm-Museums in St. Magnus fungiert sowie sich im Heimatverein für Stadt und Amt Esens (Vorstandsmitglied; Einrichtung: Museum zur Siedlungsgeschichte „Leben am Meer“) und im Ökumenischen Arbeitskreis Juden und Christen in Esens (2. Vorsitzender; Einrichtung: jüdisches Museum und Gedenkstätte August-Gottschalk-Haus) einbringt. Das Projekt wird weiterhin von ihm betreut.